Neue
Deutsch-Französische Jahrbücher

ALAIN BADIOU
HAT DIE PSYCHOANALYSE PHILOSOPHISCHE GRUNDLAGEN?
Jahr
2027
Seiten
ca. 220
Größe in cm
12 x 18
Preis in €
20
ISBN
978-3-949153-22-8
Leseprobe
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Aus dem Englischen und Französischen von Moritz Herrmann
Mit einem Kommentar von Lorenzo Chiesa
In diesem bislang unveröffentlichten und umfassenden Vortrag von 1989 stellt Badiou die Frage, ob die Psychoanalyse philosophische Grundlagen hat, nicht um sie zu beantworten, sondern um sie zu unterlaufen: Wäre dies der Fall, wäre die Psychoanalyse selbst nichts anderes als Philosophie – und hätte damit ihren eigenen Einsatzpunkt verfehlt.
Anders als zu anderen Gelegenheiten liefert dies jedoch nicht den Auftakt zu einer Erörterung der Psychoanalyse als Anti-Philosophie, wie sie vermeintlich von Jacques Lacan vertreten würde. In Auseinandersetzung mit Lacans Ontologie, die das Subjekt zwischen Buchstaben (lettre) und Ankunft (avènement) verortet, erwägt Badiou stattdessen die minimalen Rahmenbedingungen eines »Friedensvertrags« zwischen Philosophie und Psychoanalyse. Auch wenn er einen solchen Friedensschluss letztlich verwirft, kommt er dabei zu dem überraschenden Schluss: »Wenn das die Psychoanalyse ist, dann ist [Lacans] Philosophie eine, die mit der meinigen übereinstimmt.«
In einem ausführlichen Nachwort nimmt Lorenzo Chiesa diesen einmaligen Vorstoß Badious ernst und begreift ihn als wegweisend für die Zukunft der Psychoanalyse. Er entdeckt darin nicht weniger als ein Programm, eine Philosophie zu entwerfen, die es vermag, unter der Bedingung der Psychoanalyse zu stehen: eine Philosophie, die, wie Lacan sagt, nun auf ihren Füßen stünde.
Alain Badiou (* 1937) lehrte seit 1969 an der Université de Paris VIII und ab 1999 an der École normale supérieure Philosophie. Sein philosophisches System, das wohl als das wichtigste der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelten kann, vereint eine formale Ontologie auf Grundlage der Mengenlehre mit einer Theorie des Subjekts, das sich in vier Wahrheitsprozeduren (Politik, Wissenschaft, Kunst, Liebe) artikuliert sieht.
